Theater am 31.10. und 01.11.2020: „Ünner uns“ und „My Name is Peggy“

Am 31.10. und 01.11.2020 führt die Theaterproduktion von Theater SpielArt e.V.  im Lintler Krug die Stücke

„Ünner uns“ – Geschlossene Gesellschaft – Schauspiel von Jean-Paul Sartre
und
„My Name is Peggy“ – Komödie von Marc Becker
auf.

Theater SpielArt e.V. realisiert unter professioneller Leitung innovatives niederdeutsches Theater und bereichert im Rahmen seiner jährlichen Gastspieltournee mit seinen Theaterproduktionen die regionale Kulturszene in diesem Jahr auch erstmals im Lintler Krug.

(v.l.n.r.) Ines (Isa Steffen), der Wärter (Dirk Röver) und Gregor (Andreas Lamp)
Foto: Theater SpielArt e.V.

Zur Schauspielproduktion „Ünner uns“:

Drei Personen, die im Leben einander nie begegnet sind, werden nach ihrem Tod für alle Ewigkeit in einem Hotelzinmnmer zusammen sein. Das ist die Hölle.

„Wenn meine Beziehungen schlecht sind, begebe ich mich in die totale Abhängigkeit von anderen. Und dann bin ich tatsächlich in der Hölle. Und es gibt einen Menge Leute auf der Welt, die in der Hölle sind, weil sie zu sehr vom Urteil anderer abhängen.“

— Jean Paul Satre

Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) hatte im besetzten Frankreich mittels des Theaterreferates der Propaganda-Staffel Paris das Recht der Aufführungsgenehmigungen.

Ab Juni 1942 gab sie dieser Zensur mit dem Comité d’Organisation des Entreprises de Spectacle einen korporatistischen Anstrich. Das COES gab dem Stück nach einigem Zögern den zur Aufführung erforderlichen Sichtvermerk.

Sartre erklärte in einem Interview, dass ihn seine Erfahrungen als Kriegsgefangener zur Wahl dieser Situation inspiriert haben. Durch das Zusammengepferchtsein, das Leben unter dem ständigen Blick der anderen im Stalag sei eine Hölle entstanden, die er nie vergessen habe.

Sartre selbst schreibt in seinem Nachwort über seinen Einakter, dass der Anlass dieses Stück zu schreiben drei Freunde waren, denen er gleichberechtigte Rollen in einem Stück geben wollte, das heißt: Er wollte, dass sie die ganze Zeit auf der Bühne beisammen bleiben. So kam ihm die Idee, sie in die Hölle zu setzen und jeden von ihnen zum Folterknecht der je beiden anderen zu machen.

Geschlossene Gesellschaft, Sartres drittes Theaterstück, wurde 1944 in Paris uraufgeführt: Drei Menschen, zwei Frauen und ein Mann, die sich nie in ihrem Leben begegnet sind, werden für immer in einem Zimmer zusammenbleiben. Das ist die Hölle. Warum? Weil jeder von ihnen davon abhängig ist, wie der andere ihn sieht, weil jeder durch den Blick des anderen festgelegt wird, gefangen in einem Bild, das der andere sich von ihm macht. Daraus entsteht die Neigung zur Unaufrichtigkeit, zur Täuschung des anderen, die Versuchung, dem anderen gegenüber eine durch und durch verlogene Rolle zu spielen.

Durch die völlige Abhängigkeit vom anderen wird jeder für jeden zum Peiniger. Ein Teufel ist in dieser Hölle nicht nötig. Wären nur zwei Menschen zusammen, könnte sich eine sadomasochistische Beziehung herstellen lassen, bei der jeder für den anderen die Rolle spielt, die der andere vorgeführt bekommen möchte. Das wäre eine gegenseitige Befriedigung. Ausweglos wird die Situation erst durch die Anwesenheit des Dritten, gegen den es kein Bündnis geben kann, weil jetzt nicht nur jeder reihum jeden durch seine Gegenwart erstarren lässt, sondern weil jeder Dritte jede Zweierbeziehung durch seinen Blick zerstören kann.

Sartre glaubte jedoch nicht, dass alle menschlichen Beziehungen zwangsläufig auf eine solche Hölle hinauslaufen müssen. Er meinte vielmehr: “In welchem Teufelskreis wir auch immer sind, ich denke, wir sind frei, ihn zu durchbrechen. Und wenn die Menschen ihn nicht durchbrechen, dann bleiben sie, wiederum aus freien Stücken, in diesem Teufelskreis. Also begeben sie sich aus freien Stücken in die Hölle.“

Peggy (Inske Albers-Willberger)
Peggy (Inske Albers-Willberger) Foto: Theater SpielArt e.V.

 Zur Komödienproduktion My Name is Peggy:

Es gibt nichts. Gar nichts. Es ist jedoch alles gar nicht real. Es stimmt doch nichts. Man kann doch immer nur so tun als ob. Man kann nur simulieren. Eine Frau im besten Alter ist nervös. Sie wird einen Mann treffen. Gut, er hat ihren Hund überfahren – aber er sah doch ganz nett aus. Doch was wird er von ihr erwarten? Wie soll sie sein? Alltägliche Gedanken und doch so schwierig….

Peggy, eine namenlose Frau im besten Alter, gewährt uns Einblicke in ihren Alltag. Fröhlich parlierend nimmt sie uns mit auf die Reise der verpassten Chancen ihres monoton verlaufenden Privatlebens, erzählt von Hoffnungen, Sehnsüchten und Enttäuschungen, die ihr Singledasein dominieren. Wechselbäder von Stimmungs- und Gefühlslagen offenbart sie selbstironisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen ihrer Zuhörerschaft.

Sie strickt an ihrer Selbsttäuschung, schwelgt in ihren erotischen Wunschvorstellungen und erliegt bisweilen ihrer aufkommenden Tristesse, die sie nicht davon abhält, einem Selbstbild nachzuspüren, das sich an vermeintlichen Männerphantasien orientiert. Kein garantierter Weg zum Glück…

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Veranstaltungsort: Lintler Krug, Hauptstraße 11 in Kirchlinteln
Beginn: Sonnabend 31.10.2020 um 20:00 Uhr
Sonntag 01.11.2020 um 15:00 Uhr

Der Einlass erfolgt jeweils 45 Minuten vor Beginn der Veranstaltung.

Aufgrund der begrenzten Platzzahl ist eine vorherige, verbindliche,  Anmeldung zu der Veranstaltung unter  E-Mail: krugevents@gmx.de  oder  unter Telefon 0170/6774927 erforderlich. Bei der Anmeldung sind die Namen, Anschriften und Telefonnummern der Besucher anzugeben. Die Vergabe der Plätze erfolgt nach der Reihenfolge der Anmeldungen.

Der Eintrittspreis von 12,00 € pro Person wir am Tag der Veranstaltung vor Ort erhoben.

Auf die Einhaltung der  Corana-Bedingten Hygieneregeln wird hingewiesen. So ist beim Betreten  des  Gebäudes bis zur Platzeinnahme ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen sowie eine Handdesinfektion vorzunehmen.